Gestern war ich im Schlumperwald. O Gott, war das schrugl! Ich bin jetzt noch ganz zerbriselt davon! Der Wald war so schlumper, und alles war so schierlig, und ich ganz allein mitten drin! In der Ferne hab ich den Gmork harruchzen gehört, und die Zirrelise hat ganz grabl genötscht! Und rund um mich sind die ganze Zeit lauter kleine Zwinken herumgezirgelt, dass mir ganz zimpel davon geworden ist. Ich bin gegangen und gegangen, und der Wald ist immer schlumperer und schlumperer geworden. Und plötzlich steht vor mir ein Garlwocht. Ein richtig zumpler Garlwocht und plunkt mich an mit seinen girren Strugen! "Jetzt ist's stragl mit mir!" hab ich mir gedacht. "Der gurracht mich jetzt, und dann bin ich krumpl!" Aber er hat mich nur böse angeplunkt und ist davongehimpert. Auf einmal bin ich in einen Krommach gekommen. Rund um mich riesige Stirzen und Frimpe, in denen die Murken gewimst haben. Da seh ich in der Ferne ein kleines Stirriwink zwiegeln. Zum Glück, hab ich mir gedacht, wenigstens ein Stirriwink! Aber wie ich ihm nachgeh, verhubelt es sich immer mehr, und ich denk mir: "Warum verhubelt es sich so?" Da bin ich über eine Wrumsel geflonzt. Rund um mich wird alles munkel, die Ströze kriesen, die Mömpe gmugeln, die Umpe kwazen, und da ist sie erschienen. Die große Humsa! Im ganzen Schlumperwald ist es schrugl schlirr geworden. Kein Zwink hat sich getraut zu zirgeln, kein Strolz hat gemunzt, sogar der Gmork hat aufgehört zu harruchzen. Und die große Humsa ist ganz krah dagemorkt, und nur ihre krampen Nome haben gewalmt. Im ganzen Schlumperwald hat sich kein Limp genüpft. Und dann hat sie sich erhoben und ist ganz langsam über den Schlumperwald davongewirrt.
Also eins sag ich euch: Ich geh nie mehr allein in den Schlumperwald!
Im Park
Einmal bin ich durch einen Park gegangen. Es war ein schöner, sauberer Park, wo das Gras ganz gleich abgeschnitten ist, und die Bänke sind ohne Vogelmist, und auf den Wegen ist blanker Kies. Und in jeder Ecke steht ein Papierkorb aus Draht. Ich bin durch den Park gegangen, und in einem Papierkorb hab ich etwas Buntes gesehen. Es war wie bunte Fetzen oder Kleider, aber als ich näher gekommen bin, war ein Kind in dem Papierkorb. Es ist ganz ruhig in dem Papierkorb gelegen und ist mit einem Spielzeugauto auf seinen Knien herumgefahren. „Was machst du da in dem Papierkorb?“ hab ich gefragt. „Ist das ein neues Spiel?“ „Das ist kein Spiel“, hat das Kind im Papierkorb gesagt, „ich lieg hier ganz in echt.“ „Was heißt in echt? Wieso bist du da? Wie bist du da hineingekommen?“ „Wenn ich doch weggeworfen bin!“ „Wieso kannst du weggeworfen sein? Kinder kann man doch nicht wegwerfen!“ „Na, lieg ich vielleicht nicht da? Ich bin halt weggeworfen worden, weil sie mich nicht mehr gebraucht haben. Zuerst haben sie mich überall mitschleppen können wie eine neue Puppe und haben mich hergezeigt und Fotos von mir machen lassen und an alle Tanten geschickt. Aber dann bin ich immer schwerer geworden und war nicht mehr so gut zum Herzeigen. Und ich hab keine Grübchen im Popo mehr gehabt, sondern O-Beine. Und dann hab ich immer alles gefragt und wissen gewollt, wenn sie gefernseht haben, und sie haben mir Popcorn und Zuckerln gegeben, wenn ich still und brav bin, und dann hab ich auf den Teppich gekotzt. Und beim Spazierengehen hab ich immer stehenbleiben gewollt und die Tauben angucken, und dann haben sie mich an der Hand gerissen, und ich hab geschrieen. Und wie ich dann noch in der Sandkiste immer mein Spielzeug verloren hab, da haben sie gesagt: ‘Das Kind ist zu gar nichts zu gebrauchen.“ Und sie sind nach Hause gegangen und haben mich nicht mitgenommen und einfach in den Papierkorb gesteckt. Und da bin ich jetzt.“ „Geh, das war sicher nur ein gemeiner Trick von denen, damit du es dir merken sollst. Die kommen sicher gleich wieder und holen dich und sagen: ‘Aber das nächste Mal lassen wir dich wirklich drin!'“ „Da hätten sie aber schon vorige Woche kommen müssen.“ „So lange bist du schon da? Hast du denn keinen Hunger?“ „Nein, nicht sehr. Es fliegt immer etwas herein, ein halb aufgegessenes Eis, ein angebissener Apfel, ein Pausenbrot, das man von der Schule nicht wieder heimbringen darf, sonst schimpft die Mutti, irgend so was halt.“ „Sagen die Leute nichts zu dir, dass du da drin liegst?“ „Die merken das doch nicht. Die schmeißen nur was rein und schauen gar nicht. Nur einmal hat einer reingeguckt und hat gesagt, es ist eine Frechheit, dass die Müllabfuhr nie die Papierkörbe ausleert.“ „Ja, genau! Was ist, wenn die Müllabfuhr kommt?“ „Ich weiß nicht. Dann komm ich halt auf die Müllhalde. Vielleicht gibt's dort noch mehr weggeworfene Kinder.“ „Willst du nicht herauskommen und mit mir gehen?“ „Nein“, hat das Kind gesagt. „Du kannst mich doch zu nichts gebrauchen.“ Ich hab gesagt: „Kinder muss man ja nicht gebrauchen können. Kinder sind einfach da.“ „Glaubst du?“ hat das Kind gesagt. Da ist eine Frau gekommen und ist ganz hektisch im Park herumgelaufen und hat geschrieen: „Wo steckst du denn schon wieder?“ Und wie sie das Kind im Papierkorb gesehen hat, ist sie hingegangen und hat es am Arm gerissen und herausgehoben. „Wann wirst du das endlich lernen, dass du nach Hause kommen musst, bevor es finster wird? Muss ich dich denn immer holen kommen? Und deine Sandschaufel! Hast du schon wieder deine Sandschaufel verloren? Wozu gibt man dir eine Sandschaufel? Du bist einfach zu nichts zu gebrauchen!“ Und sie hat das Kind am Arm hinter sich hergezogen, und das Kind hat noch schnell ein Stück Schokoladepapier aus dem Papierkorb fischen können und hat daran gelutscht, als es die Mutter fortgezogen hat. Und mehr weiß ich nicht.“
Herrn Müllers seltsame Reise
oder:
Wie Herr Müller einmal ein Abenteuer erlebte
Jeden Tag
fuhr Herr Müller
mit dem kleinen Vorortezug in die Stadt,
um in sein Büro zu gehen.
Doch eines Tages
blieb der Zug
im Bahnhof
nicht stehen!
He, Herr Lokführer, halten Sie an,
damit ich endlich aussteigen kann!
He, Herr Lokführer, machen Sie Schluß,
weil ich doch in die Arbeit muß!
He, Mann!
Halt an!
Ich will hier raus,
ich hält's nicht aus!
Ich fahr nie mehr mit der Eisenbahn!
Dieser Zug wird immer schneller
und sein Pfeifen immer greller.
Wie er rattert, wie er pufft!
Jetzt hebt er sich gar in die Luft!
He, Mann!
Halt an!
Ich zeig Sie an,
wenn ich noch kann!
Man fliegt doch nicht mit der Eisenbahn!
Mir fliegen Wolken um die Ohren,
ich hab meinen Hut verloren!
Die Krawatte saust im Wind,
und meine Thermosflasche rinnt!
He, Mann!
Halt an!
Mein Aktenkoffer
zerlegt sich schon.
Mein Butterbrot fliegt mir davon!
Gott, ich kann es nicht ertragen!
Gott, was wird mein Chef nur sagen?
„Was, anstatt zur Arbeit kommen,
sind sie durch die Luft geschwommen?
He, Mann!
Sie sind dran!
Erzähln Sie das
wem andern bloß!
Diesen Job, den sind Sie los!"
Die Erde versinkt in weiter Ferne,
immer näher kommen die Sterne!
Da kommt der Schaffner und sagt betont:
„Bitte anschnallen, wir landen am Mond!"
He, Mann!
Bitte, wann
geht der nächste
Zug nach Haus?
Ich muß zurück, sonst schmeißt mein Chef
mich raus!
Da sagt der Schaffner auf meine Frage:
„Wir bleiben hier nur vierzehn Tage.
Schaun Sie sich um und haben Sie Spaß,
dann fliegen wir weiter - auf den Mars!"
He, Mann!
Ich werd wahn-
sinnig,
das geht doch nicht so!
Ich muß sofort in mein Büro!
Da sagt ganz freundlich er zu mir:
„Ein Büro hab'n wir auch hier!
Wenn Sie wolln, können Sie bleiben
und für uns einen Fahrplan schreiben."
He, Mann!
Ja dann,
dann bleib ich hier,
wenn es sich lohnt,
und bin der neue Mann im Mond.
Seitdem hab ich hier auf dem Mond
im Fahrplanschreibbüro gewohnt.
Längst fertig ist die Schreiberei,
aber nie mehr kommt ein Zug vorbei.
He, Mann!
Ich kann
doch hier nicht ewig oben bleiben
und Fahrpläne für niemand schreiben!
Doch wenn wieder mal ein Zug entgleist
und mit mir zu den Sternen reist,
dann fahr ich mit, dann bin ich froh,
dann pfeife ich auf das Büro!
He, Mann!
Ja dann -
dann geht die Reise richtig los,
und diese Reise wird famos!
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"Im Schlumperwald" und "Im Park" erschienen ursprünglich in diesem Buch:
"Im Schlumperwald" und "Herrn Müllers seltsame Reise" waren ursprünglich zu hören auf dieser Kassette:
Die Illustrationen zu "Im Schlumperwald" und "Im Park" sind von Hansi Linthaler, die Illustrationen zu "Herrn Müllers seltsame Reise" von Monika Broeske