"So, und jetzt geh ich den Prinzen befreien!" sagte Lieschen Radieschen zum König und zur Königin.
"Also das geht jetzt wirklich zu weit, das kannst du uns nicht antun!" sagte die Königin.
"Ja wirklich", sagte der König, "Prinzen befreien Prinzessinnen, nicht umgekehrt".
Lieschen Radieschen kniff die Augen zusammen, klappte den Mund zu und kriegte einen roten Kopf.
"Nein, das nützt dir jetzt gar nichts", sagte die Köngin, "der Prinz wird sich schon selber helfen müssen!"
Lieschens Kopf wurde noch röter.
"Lieschen, also wirklich, im Ernst!" murmelte der König.
Lieschens Kopf wurde noch röter.
"Ich glaube, gleich brüllt sie!" sagte der König ängstlich.
"Halt dir die Ohren zu", sagte die Königin. "Sie muss lernen, dass sie nicht immer ihren Willen durchsetzen kann!"


Aber Lieschen Radieschen brüllte nicht. Sie blies die Luft zwischen den Zähnen heraus, drehte sich um und ging aus dem Saal. Dann sattelte sie ihren Lämmergeier und ritt, den Prinzen zu befreien.





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